Storytelling – wie geht das?

Blühende Kirschbäume sind für mich mehr als schön. Sie sind einerseits diese klassischen Frühlingsboten, mit ihrem süßen, verführerischen Duft. Und auch die typischen Geräusche, die sie »erzeugen«, finde ich persönlich wunderbar: Das Surren der emsigen Bienen und Hummeln. Aber Kirschblüten erinnern mich auch an Liebe. In Hanami – einem deutschen Film von Doris Dörrie fährt der Hauptdarsteller Elmar Wepper zum gleichnamigen Kirschblütenfest nach Japan, um die Sehnsucht seiner plötzlich verstorbenen Frau zu stillen. Und was verbinden Sie mit Kirschblüten? Wenn Sie den Film kennen, könnte das auch Ihr Anker sein. Oder ein ganz anderer, je nachdem, welche die stärkste Emotion ist, die Sie im Zusammenhang mit Kirschblüten erlebt haben. Denn Emotionen sind es, womit im Gehirn viele Reize verknüpft abgespeichert werden. Warum? Pro Sekunde empfängt unser Wahrnehmungssystem etwa elf Millionen Signale von der Umwelt. Daraus muss das Gehirn die wichtigsten 20 bis 40 auswählen und in unserem Bewusstsein verarbeiten. Doch auch die restliche Information muss – unbewusst – geprüft und auf dessen Relevanz bewertet werden. Dazu speichert unser Gehirn Reize mit zeitgleich auftretenden Gefühlen ab. Und weil Geschichten Emotionen hervorrufen, eigenen sie sich bestens, um damit transportierte Fakten im Gehirn von Zuhörern oder Zusehern zu verankern.

Damit kommen wir zur oben gestellten Frage: Storytelling – wie geht das?

1. Geschichten brauchen einen Helden: Es muss eine Hauptfigur geben, die sich im Laufe der Geschichte zum »Helden« entwickelt. Sie kann anfänglich ruhig »unsympathisch« oder schräg sein: ein Alleswisser, ein böser Charakter, ein liebevoller Taugenichts, ein Neurotiker, ein Dummerchen. Wenn es Ihre persönliche Geschichte ist, dürfen Sie auch über Fehler sprechen. Keine Sorge, Ihr Publikum wird Sie trotzdem lieben. Ihre Schwäche wird Sie in deren Augen stärken. Oder warum glauben Sie, dass Steve Jobs seine teilweise wenig schmeichelhafte Biografie unzensiert freigegeben hat?

2. Geschichten stellen Helfer zur Seite: Manchmal sieht man den Berg vor lauter Gebirge nicht. Ein Unterstützer, ein Lehrer, ein Weiser oder jemand, der der Hauptfigur einen Spiegel vorhält, kann die Geschichte vorantreiben. Denn, damit kommen wir zum dritten Punkt:

3. Geschichten beinhalten Prüfungen: Die Hauptfigur muss vor einer scheinbar unüberwindbaren Aufgabe oder Herausforderung stehen, damit sich ein Spannungsbogen entwickeln kann. Aber: Unüberwindbar bedeutet, dass die Hauptfigur der Herausforderung nur nicht gewachsen ist, wenn Sie sich nicht entwickelt:

4. Geschichten müssen den Helden verändern: Wettkämpfe sind nur spannend, wenn man nicht weiß, wer siegen wird. Dasselbe gilt für Geschichten. Wenn die Hauptfigur das Problem ohne Anstrengung lösen könnte, geht die Spannung verloren.

5. Geschichten leben von Widersachern: Gegen einen Anfänger zu gewinnen, ist für einen Sportler keine große Sache. Doch ein ebenbürtiger Gegner, der vielleicht sogar mit Tricks arbeitet, motiviert. Das gilt auch für die Hauptfigur. Das Publikum fiebert mit und verteilt »Sympathiepunkte«.

6. Geschichten brauchen eine Vision, die inspiriert: Die Herausforderungen, das Verlassen der Komfortzone durch Veränderung und das Ankämpfen gegen Widersacher, ist mühsam. Das heißt, es braucht einen guten Grund, warum die Hauptfigur sich der Prüfung überhaupt stellen soll. Also ein Wofür, eine Sinn stiftende Motivation.

Mit diesen sechs Punkten können Sie Ihre eigene Geschichte entwickeln, um Mitarbeiter zu inspirieren, Ihre Zuhörer zu verzaubern, Ihre Vorgesetzten zu überzeugen oder einfach beim nächsten Gespräch am Bartresen zu beeindrucken ;-)

Wer Hilfe braucht, seine Geschichte in Worte zu fassen, kann mich gerne persönlich kontaktieren!

Alles Liebe,
Nina Karner

Schreibe einen Kommentar