Sieben Zutaten für eine gute Story
Sieben Zutaten für eine gute Story

Sieben Zutaten für eine gute Story

Na gut, ich gebe es zu: Kochen ist keine meiner Leidenschaften. Essen schon viel mehr. Dabei sind Hingabe und Liebe fürs Kochen wahrscheinlich die wichtigsten Zutaten, um ein wohl schmeckendes Gericht zuzubereiten. Womit wir auch schon wieder bei dem Thema sind, das ich liebe: Geschichten. Denn eine der Zutaten für erfolgreiche Geschichten ist selbstverständlich ebenfalls die Hingabe.

Zutaten für gute Geschichten:

1. Geschichten brauchen eine Vision

2. Geschichten haben einen Helden

3. Geschichten rufen nach Abenteuern

4. Geschichten stellen Helfer zur Seite

5. Geschichten leben von Schurken

6. Geschichten enthalten Prüfungen

7. Geschichten gelingen nur mit Aufrichtigkeit und Hingabe

1. Geschichten brauchen eine Vision

Jede Geschichte braucht eine Motivation, um die nötige Veränderung zu begründen. »… Unsere Familie ist für uns auch ein Ort der Geborgenheit. Klar, dass uns das nicht davon abhält, miteinander zu streiten…« Dieser Textausschnitt stammt aus dem Katalog eines Versandhandels für Kinder- und Babymode, Möbel und Spielsachen. Immer wieder erzählen dort Familien von ihrem – nicht perfekten – Alltag. Doch warum verschenkt ein Versandhandel wertvollen Werbeplatz für Geschichten? Ganz einfach, weil es die Vision des Unternehmens ist, Familien durch praktische Produkte und qualitativ hochwertige Kleidung den Alltag fröhlicher zu gestalten. Familien sind der Grund, warum Sie Kleidung, Möbel und Spielsachen vertreiben.

Jede Geschichte braucht eine Vision, die eine faszinierende Zukunft zum Ziel hat: Die Rettung der Erde, die Erfindung eines neuen Produktes.

2. Geschichten haben einen Helden

»Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.« Der Erfolg des klassischen Antihelden Forrest Gump und seines schwedisches Pendant, Allain Karlsson in »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« , beweisen: Ein Held muss keine glanzvolle Persönlichkeit sein. Richtig spannend wird eine Geschichte, wenn ein »underdog« zum Protagonisten wird. Es gibt viel mehr Entwicklungspotenzial, wenn ein Außenseiter seine gewohnte Welt verlässt, um die Vision zu realisieren. Enorme Polaritäten machen Geschichten besonders spannend. Sie regen uns an. Wie besondere Gerichte, die mehrere Geschmäcker kombinieren.

3. Geschichten rufen nach Abenteuern

Mit Abenteuer sollte in keiner Geschichte gespart werden: Jede Vision braucht eine klare Anleitung, die zur Realisierung der Vision führt. Dafür muss der Held etwas opfern: Sicherheit, die Liebe seines Lebens, eine bestimmte Angst. Doch das Abenteuer ist nicht zwingend lebensbedrohlich. Es ist die Entwicklungsreise des Helden. Erinnern Sie sich an ein langweiliges Buch? Mir fallen spontan nur Romane ein, die mich fasziniert und gefesselt haben. In denen der Held etwas gelernt und ein Ziel erreicht hat, indem er etwas riskiert hat. Wenn es auch der letzte Weg war. Die Erfüllung der »Löffelliste« im Film »Das Beste kommt zum Schluss« mit Jack Nicholson und Morgan Freeman ist ein großartiges Beispiel dafür.

4. Geschichten stellen Helfer zur Seite

Ähnlich wie Zuspeisen runden Helfer die Geschichte ab. Was wäre Alonso Quijano geworden, hätte er nicht seine treuen Kameraden »Stallmeister« Sancho Panza und Rosinante an seiner Seite gehabt? Bestimmt nicht die erfolgreiche Romanfigur »Don Quijote« aus dem Jahr 1605. Viele Helden haben Helfer an ihrer Seite, um das Abenteuer zu überstehen. Charismatische Personen, die ihre Macht und Stärke zur Erfüllung eines höheren Zwecks zur Verfügung stellen. Sie sind dem Helden Vorbild oder ergänzen dessen Fähigkeiten um wertvolle Charaktereigenschaften.

Für mich ist die verfilmte Autobiografie des ehemaligen Pommery-Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo ein berührendes Beispiel dafür. In »Ziemlich beste Freunde«  wird beschrieben, wie der Tetraplegiker die Weltanschauung eines »Vorstadtjungen« nutzt, um in sein eigenes Leben wieder Pfeffer zu bringen.

5. Geschichten leben von Schurken

Ohne Feindbild wird es langweilig, es ist das Salz in der Suppe. Vor zwei Jahren habe ich zugesagt, für einen Artikel der »Kufsteinerin« Canyoning zu probieren. Ich bin eher ein ängstlicher Typ, was Höhe betrifft. Als ich dann drei Meter von einem Felsen parallel in einen zirka zwanzig Mal zwanzig großen Bereich springen musste, bin ich erstarrt. Nur: Welche Geschichte handelt von einer Reporterin, die sich nicht traut, ihren Job zu machen? Also bin ich gesprungen. Ich habe meine eigene Angst überwunden, weil ich einen Gegenspieler hatte: Das Versprechen an meinen Auftraggeber. Trotzdem habe ich auch über diese Angst geschrieben.

Der Schurke muss nicht unbedingt eine Person sein, es kann auch eine innere Überzeugung sein, ein altes Denk- oder Verhaltensmuster des Helden. Der Schurke ist das Schaf im Wolfspelz, sozusagen. Denn eigentlich ist er der wahre Helfer: Nur durch die Bedrohung findet eine Veränderung statt, werden Gruppen zu Höchstleistungen angespornt. Aus der Neurowissenschaft ist bekannt, dass Veränderung meist nur durch hohen Schmerz/Gefahr möglich ist. Das ist die Aufgabe des Schurken.

6. Geschichten beinhalten Prüfungen

Rubens Barrichello musste 2002 für Michael Schumacher Platz machen. Schumacher revanchierte sich Monate später mit einem ähnlichen Manöver. Doch diese Mannöver haben gezeigt: »Ein geschenkter Sieg ist nichts Wert.« Das Publikum buhte, die Fahrer waren verärgert. Wer einen Sieg geschenkt bekommt, fühlt sich nicht ernst genommen. Ohne herausfordernde Aufgaben hätten Helden keinen Grund, über sich selbst hinauszuwachsen. Eine Vision ist nur anspornend, wenn sie mit Entbehrungen verbunden ist. Dasselbe bestätigt der so genannte Ikea-Effekt von Dan Ariely: Selbst Zusammengebautes zählt mehr.

7. Geschichten gelingen nur mit Aufrichtigkeit und Hingabe

Läuft bei Ihnen immer alles reibungslos? Glückwunsch. Kein Scheitern, kein Rückschlag? Die erfolgreichsten Leute sind die, die einmal öfter aufstehen, als sie hinfallen. Sagt man. In einer Werbekampagne erzählen Friseure, wie sie ihren Beruf erleben: Mal großartig, mal weniger toll. Wie jeder von uns, oder?

Erfolgreiche Geschichten beruhen auf Tatsachen, sie präsentieren sich nackt. Wenn ein Unternehmen erfolgreich Geschichten erzählen will, muss es sich öffnen. Nicht nur Positives, sondern auch Negatives schildern. Kanten und Ecken machen authentisch. Aalglatt wirkt aufgesetzt. Nicht ohne Hintergedanken werben Marken wie Dove von Unilever mit »normalen« Frauen, anstatt mit Models. So können wir uns mit ihnen identifizieren. Dann treffen wir die unbewusste Freund-/Feind-Entscheidung  zu Gunsten ihres Produktes. Doch wie in jeder guten Speise gilt: Viel hilft nicht viel. Jedes Gewürz sollte wohl dosiert sein. Sonst übertönt es den Geschmack der ganzen Geschichte.

In meinen vorherigen Einträgen habe ich beschrieben, warum  und in welchen Bereichen Geschichten wirken. Heute haben Sie das Rezept für eine gute Geschichte gelesen. Kennen Sie weitere Zutaten, die in meinem Rezept fehlen? Dann teilen Sie Ihr Signal mit mir! Und weil mir dieser Blog beim Kochen eingefallen ist, werde ich jetzt wieder in die Küche gehen…

Alles Liebe sendet

Nina Karner

Blogfoto: Tagliatelle/SplitShire

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